Reisebericht von der Israelreise 2007 mit Siegfried und Daniel Müller
Dienstag, 8. Mai 2007
„Willkommen in Israel, willkommen im Heiligen Land“, begrüßte uns die israelische Reiseleitung bei unserer Ankunft im modernen Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv. Seit 30 Jahren bringt das Missionswerk Karlsruhe Christen zu den heiligen Stätten in Israel. Bei der diesjährigen Jubiläumsreise sind es 192 Pilger, die es sich nicht nehmen lassen, das Land mit ihrem Besuch zu segnen und sich segnen zu lassen. Darunter Teilnehmer, die schon zwölf Mal ins Heilige Land gereist sind, aber für viele – fast mehr als die Hälfte – ist es das erste Mal.
Mit vier Bussen ging es dann die historische Straße „hinauf“ nach Jerusalem. Während der Fahrt konnten die Teilnehmer einen ersten Eindruck von den malerischen biblischen Landschaften gewinnen: kahle Hügel, dazwischen angelegte Terrassen mit Ölbäumen und immer wieder grüne Pinien- und Zypressenwälder. Bei der Neugründung Israels – so erzählte der kundige jüdische Reiseleiter – hatten die Vorväter sich bewusst dafür entschieden, das kahle, abgeholzte Land durch das Anpflanzen von Bäumen wieder grün werden zu lassen wie zu biblischen Zeiten.
Wenig später machte die Reisegruppe ihren ersten Halt auf dem Berg Scopus im nördlichen Teil des Ölbergs mit herrlichem Ausblick auf die Altstadt Jerusalem. Ganz in der Nähe dieses Ortes brachte der Hohe Priester Melchisedek damals Abraham nach seinem Sieg über seine Feinde Wein und Brot und segnete es (1. Mose 14, 18-20). Desgleichen taten auch Missionsleiter Daniel und Siegfried Müller. Nach der traditionellen Lesung des Psalms 122, Liedern und einem gemeinsamen Gebet steuerte die Reisegruppe gegen Abend das Hotel an. Nach Stärkung am reich gedeckten Buffet und einer kurzen Informationsrunde stand Ausruhen auf dem Programm – bis zum Weckruf am nächsten Morgen um 6 Uhr.
Mittwoch, 9. Mai 2007
Nach dem ersten Frühstück am reichhaltig gedeckten Buffet versammelte sich die Reisegruppe zur kurzen Andacht im Hotel und stimmte dem Herrn ein Loblieb an: „Preiset den Herrn vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang“ (Ps. 113,1-3) Und genau das taten wir auch. Egal wo man seine Schritte im Heiligen Land hinlenkt, ob in Jerusalem selbst oder in seiner Umgebung, stößt man unweigerlich auf eine Geschichte aus dem Alten Testament. Pastor Daniel Müller ermutigte während der anschließenden Andacht alle 192 Teilnehmer, ihre Herzen für Jesus weit zu öffnen (Matthäus 16,19) und zu empfangen, was er heute und hier in Israel für sie vorbereitet hat. „Diese Reise ist dann ein Erfolg, wenn ihr Jesus erlebt und nicht, wenn ihr nur zahlreiche historische christliche Stätten gesehen habt“, hob er sein Herzensanliegen noch einmal hervor. Danach ging es mit den vier Reisebussen zum Ölberg, wo wir den Palmsonntagsweg zu Fuß hinunter gingen vorbei an dem Garten Gethsemane in Richtung Jerusalemer Altstadt. An einem 500 Jahre alten Friedhof mit herrlichem Ausblick auf die Stadt, wo auch das obligatorische Gruppenbild gemacht wurde, erklärte Reiseleiter Dany nicht nur interessante Details über die jüdischen Begräbnisriten, sondern gab auch einen Einblick in die Gründung und den auf Aufbau der Stadt Jerusalem.

Gruppenfoto
Mit den Bussen fuhren wir dann weiter nach Kirjat Jearim, der Ort, wo die Bundeslade stand, bevor sie König David in einer feierlichen Parade wieder zurück nach Jerusalem holte. Unter einem Mandelbaum lauschte die Reisegruppe der bewegenden Predigt von Siegfried Müller. Er sprach über Hannah und die Geburt ihres Sohnes Samuel, des späteren Propheten aus dem 1. Buch Samuel 1,10ff. Er wies eindrücklich darauf hin, dass Gott nicht nur damals mit dem Propheten Samuel gesprochen hat, sondern auch heute noch zu uns redet. „So wie damals David vor der Bundeslade vor Freude tanzte und Gottes Herrlichkeit erlebte, so möchte Gott auch uns heute in seine Nähe und Gegenwart führen.“
Nächster Programmpunkt war der Besuch der jüdischen Siedlung Yad Hashmona. Sie wurde im Gedenken an acht jüdische Finnen gegründet, die im KZ starben, und wird heute von einer jüdisch-messianischen Gemeinde bewirtschaftet. Auch hier konnten wir ein Stück Historie aus dem Alten Testament erleben: Von der Terrasse blickten wir auf die Ebene Ajhlon, wo Joshua vor einem wichtigen Kampf Gott gebeten hatte, dass die Sonne still stehe. Nach dem Mittagessen ging es zurück in die Altstadt von Jerusalem, wo wir auf Schritt und Tritt auf den Spuren Jesus wandelten: Am Teich Bethesda, wo Jesus den seit 38 Jahren gelähmten Mann heilte, an der Klagemauer und beim Gang durch die Via Dolorosa. In der Kirche von St. Anna, der Mutter von Maria, die angeblich die beste Akustik der Stadt hat, sangen wir aus vollem Herzen „Großer Gott wir loben dich“. Noch bevor wir die Kirche verlassen hatten, kam eine Gruppe amerikanischer Christen, die Gott in ihrer Sprache lobten und noch wenige Stunden zuvor hatten wir auf Yad Hashmona mit messianischen Juden aus Argentinien Gott auf spanisch gepriesen.

Letzter Höhepunkt am Abend war der Besuch von zwei Mitgliedern der Knesset: Rabbi Benjamin Elon und Josh Reinstein. Sie bedankten sich beim Missionswerk Karlsruhe und den 192 Pilgern aus Deutschland für ihr Engagement für Israel. In einer eindrücklichen Rede beschwor uns Josh Reinstein gerade in einer Zeit, wo Israel von vielen Feinden umgeben ist und angesichts eines weltweit wieder zunehmenden Antisemitismus, als Botschafter für Israel in unser Land zurückzukehren.
Donnerstag, 10. Mai 2007
„Wer Israel segnet, der wird gesegnet.“ Von dieser Bibelstelle in 1. Mose 12,3 inspiriert, kam Siegfried Müller vor rund 30 Jahren zum ersten Mal mit einem Bus nach Israel. Heute morgen wurde er im Konferenzsaal des Hotels für sein 30-jähriges Engagement im Heiligen Land offiziell geehrt ( Bericht der Jerusalem Foundation ) . Irene Pollak, Vorsitzende der Jerusalem Foundation, überreichte ihm eine mit der Hand auf hebräisch und deutsch beschriebene Pergamentrolle, in der er mit dem Ehrentitel „wahrer Freund von Israel“ ausgezeichnet wird. Zusammen mit ihr kamen über 100 Schulkinder, die vor den Pilgern aus Deutschland tanzten, sangen und musizierten. Ihre Schule ist eines von insgesamt 38 verschiedenen Projekten, die das Missionswerk bisher alleine in Jerusalem unterstützt hat. Auch der stellvertretende Bürgermeister von Jerusalem, Herr Armedi ließ es sich nicht nehmen, Pastor Siegfried Müller persönlich zu gratulieren und ihm zu danken. Manch einem der Zuschauer flossen Tränen der Rührung über die Wangen, als sie mit eigenen Augen sehen konnten, welchen Segen die regelmäßigen Spendengelder aus Deutschland gebracht haben. Am Ende der Feier tanzten die Teilnehmer gemeinsam mit den Kindern samt Daniel und Siegfried Müller einen israelischen Reigen.

Ehrung zum 30-jährigem Jubiläum
Danach ging es weiter mit den Bussen zum nächsten Programmhöhepunkt: Zu einem Gebäude am Zionsberg, wo Jesus zusammen mit seinen Jüngern das letzte Pessach-Mahl (eine drei- bis vierstündige Mahlzeit in Erinnerung an den Auszug von Ägypten) zu sich genommen hat. Beim Betreten des Saals vom letzten Abendmahl stimmten die Teilnehmer der Reisegruppe spontan ein ehrfürchtiges „Halleluja“ an. Auch an diesem Ort ließ Siegfried Müller durch seine Predigt die Bibel wieder vor unseren Augen lebendig werden. Gerade als er daran erinnerte, dass dies auch der Raum war, wo die Jünger an Pfingsten ein Brausen hörten und in Form von Feuerzungen den Heiligen Geist empfingen (Apostelgeschichte 2), hörte man das Rauschen von Federn – eine Taube kam gerade durch den Eingang geflogen.
Nach dem Mittagessen im Kibbuz Ramat Rachel besuchten wir das Gartengrab. Es ist neben der Grabeskirche (die per Luftlinie etwa 500 Meter entfernt in der Altstadt liegt) eine zweite Stelle, wo das Grab Jesu vermutet wird. Ende des 19. Jahrhunderts hatte der englische Offizier Gordon etwas außerhalb der Stadtmauer einen Felsen in Form eines Schädels – also Golgatha – entdeckt, in dem es Gräber und auch eine Zisterne gibt. Es lohnt sich, in diesem idyllischen Garten zu Verweilen und sich zu besinnen, was Jesus durch seinen Tod am Kreuz auf Golgatha und durch seine Auferstehung für uns möglich gemacht hat. Auch hier versäumte Siegfried Müller nicht die Gelegenheit, die passenden Stellen aus der Bibel in Mathäus 28,1 ff zu lesen, als Maria Magdalena das leere Grab vorfand – ähnlich dem, das wir gerade vorher besichtigt hatten. Als die ersten lang ersehnten Regentropfen auf den heiligen Boden fielen, kehrten wir ins Hotel zurück.
Nach dem Abendessen im Hotel hatte Daniel Müller am Donnerstagabend für seinen Vater und die Teilnehmer der Reisegruppe noch eine besondere Überraschung: Lobpreismusik vom Feinsten von Merv und Merla Watson. Das kanadische Ehepaar, das seit vielen Jahren in Jerusalem lebt und Konzerte in vielen Ländern der Welt gegeben hat, wurde dafür mit mehr als 150 Preisen ausgezeichnet und sang sich auch in diesem Abend mit ihren geistlichen Liedern und Botschaften in die Herzen der Zuhörer.
Freitag, 11. Mai 2007
Heute Morgen begann unser Tag nicht mit der morgendlichen Andacht im Hotel, sondern mit einem Abendmahlgottesdienst im Garten Gethsemane. Es war etwas ganz besonderes an dem Ort, wo einst Jesus aus Todesangst Schweiß und Blut geschwitzt hat, seine eigenen Füße zu spüren und 2000 Jahre später symbolisch sein Fleisch und sein Blut zu trinken. Umgeben von Ölbäumen stellte Pastor Siegfried Müller in seiner Predigt heraus, dass Oliven in einer Ölpresse großem Druck ausgesetzt werden, bevor Öl hervorgebracht wird. Auch Jesus betete allein zu seinem Vater so lange bis das Öl – die Salbung – zu fließen begann und sich sein Ausruf von „nimm den Kelch von mir“ (Matthäus 26,36 ff) zu einem „dein Wille geschehe“ verwandelte. „Es übertrifft voll meine Erwartungen“, sagte eine der Reiseteilnehmerinnen tief bewegt, die wie so viele andere zum ersten Mal Israel besucht. Zehn Jahre hat sie auf die Erfüllung dieses Wunsches gewartet.
Danach ging es mit den Bussen zu einer weiteren Stelle, wo Jesus mit Sicherheit vor 2000 Jahren gewandelt ist: die Stufen zum Eingang des Tempels, der für gewöhnliche Leute wie dem Sohn eines Zimmermanns vorbehalten war. Die Stufen – so erklärte uns Reiseleiter Dany – sind bewusst unterschiedlich groß gehalten, damit niemand unachtsam den Tempel betreten konnte, sondern sich nur langsam und mit gesenktem Kopf betend Stufe um Stufe dem Eingang nähern konnte.
Von Ramat Rachel, dem Kibbuz wo wir auch am Tag zuvor unsere Mittagspause verbrachten, schauten wir nach dem Essen hinüber zur Ebene in Richtung Bethlehem, wo die Engel den Hirten begegneten. Von dort aus konnte man auch ein Stück der hohen Mauer sehen, die in den letzten drei Jahren Stückweise von israelischer Seite erstellt wurde, um Attentate von islamistischen Terroristen einzudämmen.
Mit den Bussen ging es dann weiter in den Jerusalemer Vorort Ein Karem, wo sich das Haus von Zacharias und seiner Frau Elisabeth befindet, der Mutter von Johannes dem Täufer. Der Tag endete mit einer gesegneten Andacht von Daniel Müller in dem etwa zehn Kilometer entfernt liegenden Ort Emmaus, wo der auferstandene Jesus zweien seiner Jüngern begegnete. Drei Tage nach Jesu Tod gaben die beiden Jünger resigniert auf und gingen nach Hause. Aber Jesus ging ihnen persönlich nach. Es macht einen großen Unterschied, ob man sich lediglich die uralten Steinreste und Säulen eines Hauses ansieht oder sich durch einen guten Lehrer und den Heiligen Geist die Bibel aufschließen lässt und sich selbst prüft: Wo stehe ich? Wie weit bin ich von Jesus entfernt? Welche Umstände könnten mich zum Aufgeben bringen?
Samstag, 12. Mai 2007
Bevor wir heute morgen der goldenen Stadt „Lebewohl“ sagten, machten wir mit den Bussen einen letzten Halt vor der Knesset, dem Sitz der israelischen Regierung. Gegenüber dem Haupteingang steht die bekannte Menora, das offizielle Wahrzeichen Israels. Der siebenarmige Leuchter, entworfen von Benno Elkan, einem vor den Nazis nach England geflüchteten Juden aus Aachen, zeigt wichtige Stationen der Juden zur Zeit des Alten Testaments. Im angrenzenden Rosengarten sangen wir ein letztes „Segne Israel, Jeshua“ und beteten für Israel und seine verantwortlichen Politiker, bevor wir uns endgültig auf den Weg nach Osten in Richtung Jericho machten. Es ist verblüffend, wie sich dem Besucher in Israel auf kleinstem Raum die unterschiedlichsten landschaftlichen und klimatischen Bedingungen präsentieren.
Direkt nach Verlassen des Tunnels, der unter dem Ölberg zum Stadtrand von Jerusalem führt, wechselt die Szenerie dramatisch: Kahle Hügel mit Steinen oder spärlichem Grasbewuchs, vereinzelt Ziegen- und Schafherden, dazwischen ein paar flinke Gazellen und gar Kamele – wir sind in der Wüste. Ganz in der Nähe gibt es beim Wadi Qelt das Kloster St. Georg. Es wurde in Gedenken an den Propheten Elia erbaut, der aus Angst vor Königin Isebel in die Wüste Judäa geflohen war, wo Gott ihn durch einen Raben füttern ließ (1. Könige 17 und 18). Während einer kurzen Bibelstunde inmitten der majestätischen Kulisse dieser Steinwüste unterstrich Pastor Siegfried Müller, dass Gott auch heute niemanden im Stich lässt, der mit ihm wandelt und den er mit seinem kostbaren Blut erkauft hat, sondern ihn versorgt – bis ins letzte Detail wie bei Elia.
Johannes der Täufer und militärisches Sperrgebiet
Pünktlich zur verabredeten Zeit steuerten wir um 11.30 Uhr das militärische Sperrgebiet (Der Jordan bildet die Grenze zwischen Israel und Jordanien) an, wo uns israelische Soldaten zu der Jordanstelle eskortierten, an der Johannes der Täufer Jesus taufte, Elia mit dem feurigen Wagen gen Himmel fuhr und Josua das israelische Volk nach 40 Jahren mutig durch den Fluss ins gelobte Land führte. „Reinigt euch, und bereitet euch vor, Gott zu begegnen! Morgen wird er vor euren Augen Wunder tun“, las Siegfried Müller die passende Stelle aus der Bibel vor (Josua 3,5) Die Reisegruppe stand dabei direkt am Ufer des Jordan, umgeben von malerischen Tamarisken- und Eukalyptusbäumen, von Schilf- und Salzpflanzen. Noch am gleichen Tag sollte sie selbst ein kleines Wunder erleben.
Regen in der Wüste
Unser nächstes Ziel waren die Höhlen von Qumran am unwirtlichen Nordwestufer des Toten Meeres. Hirten hatten im Jahr 1947 zufällig in den Höhlen die alten Jesaja Rollen entdeckt. Inzwischen sind bis auf das Buch Esther alle anderen Bücher des Alten Testaments dort gefunden und entschlüsselt worden – so die Reiseleitung. Die Essener, so hießen die damaligen Bewohner der Siedlung, hatten ihre heiligen Schriftrollen vor der Eroberung durch die Römer (70 n. Chr.) in den Höhlen in Sicherheit gebracht. Noch bei der Führung gegen Mittag erklärte Reiseleiterin Karin, dass die Essener früher das Regenwasser in den Bergen mit Hilfe eines Staudamms auffingen und es von dort über Rohre ins Tal zur Bewässerung leiteten. Heute wurde die Reisegruppe Zuschauer eines gewaltigen Naturereignisses. Noch während des Mittagessens platzte plötzlich ein Sturzregen auf die Wüste herab. Mit ungeheurer Wucht und Gewalt stürzte das Wasser an mehreren Stellen kaskadenartig von den Bergen aufschäumend in die Tiefe herab. Binnen weniger Minuten verwandelte sich das ausgetrocknete Wadi in einen reißenden Bach. Einige Straßen wurden sofort wegen Überflutung geschlossen. „Gewaltig“, war das einstimmige Urteil der Reisegruppe.
Heute wurden die Teilnehmer der Israel-Jubiläumsreise besonders reich beschenkt: Erst der Regen in der Wüste mitten im Monat Mai und wenig später ein Regenbogen beim Baden im Toten Meer. Das Salzwasser fühlte sich herrlich weich auf der Haut an. Wegen des hohen Salzgehalts musste man nur acht geben, dass man nicht mit Verletzungen ins Wasser geht und keinen Spritzer in die Augen bekommt.
Auf der Weiterfahrt zum See Genezareth sahen wir links und rechts der Straße immer wieder grüne Palmenhaine, ausgedehnte Felder mit Getreide, Bauern beim Ernten von Weintrauben, Gewächshäuser und in allen Farben blühende Bougainville. Die Bibel prophezeit an mehreren Stellen, dass die Wüste bewässert, ergrünen und erblühen wird. Genau das ist in den letzten zehn Jahren im Heiligen Land verstärkt geschehen. Inzwischen werden 70 Prozent aller landwirtschaftlichen Produkte für den Export in der „Wüste“ produziert.
Am Abend erfuhren wir im Hotel in Tiberias eine traurige Nachricht: drei bis vier Israelis, die gegen Mittag in den Qumran Bergen zu einer Kletterpartie aufbrachen, wurden vom Regen überrascht und werden noch vermisst.
Sonntag, 13. Mai 2007
Heute Morgen musste die Reisegruppe nicht wie üblich mit Bussen zu einer heiligen Stätte pilgern. Direkt vor unserem Hotel in Tiberias befindet sich ein kleiner Hafen – Anlegestelle für die am See Genezareth typischen Ausflugsboote aus Holz. Mit zwei dieser Boote fuhren wir zur Mitte des Sees und stellten den Motor aus. Aneinander gekettet boten sie eine ideale Plattform für unsere Morgenandacht. Es war wie die Bibel live erleben: Wir waren auf dem See, wo Petrus vor 2000 Jahren seinem Herrn auf dem Sturm gepeitschten Wasser entgegen ging (Matthäus 14,22). „Mit Jesus im Blick hat Petrus das Unmögliche möglich gemacht. Er ging auf dem Wasser. Auch wir können Unmögliches mit Jesus wagen“, ermutigte Siegfried Müller. Man solle sich vorher jedoch vergewissern, dass Gott wie bei Petrus ein ganz klares „Komm!“ ausgesprochen hat. Selbst das Wetter – es regnete an diesem Morgen – konnte die Freude und Begeisterung der Teilnehmer über Jesus und ihre Gemeinschaft mit ihm und untereinander nicht schmälern.
Begeisterung auf dem See Genezareth
„Es fasziniert mich bei den Predigten von Siegfried Müller immer wieder, dass er uns die Bibel so natürlich nahe bringt, dass wir sie verstehen. Nur so kann ich mich verändern und das mit nach Hause nehmen“, sagte einer der Teilnehmer, der sich in der Christus-Kathedrale in Karlsruhe vor drei Jahren bekehrt hat und sich auf seiner ersten Israelreise vor knapp zwei Jahren im Jordan taufen ließ. Für ihn – wie für viele andere in der Reisegruppe – ist es ein ganz persönliches Geschenk, dass Pastor Siegfried Müller auf dieser Jubiläumsreise, die vielleicht vorerst seine Letzte in seiner Funktion als Leiter und Bibellehrer sein wird, so viel von seinem reichen und persönlich erlebten Erfahrungsschatz mit Jesus und der Bibel mit uns teilt.
Gestärkt an Leib und Seele
So mit geistiger Nahrung gestärkt, legten die Schiffe an beim Kibbuz Nof Ginossar. Dort besichtigten wir den Fund eines authentischen Fischerbootes aus der Zeit Jesu. Ein Fischer hatte es zu einer Zeit gefunden, als der See Genezareth einen historischen Tiefstand hatte. Nach einer kurzen Einkaufspause im museumseigenen Souvenir-Shop ging es mit den Bussen weiter. Die Fahrt führte uns durch eine fruchtbare Ebene mit Bananenplantagen, Mangobäumen, Olivenhainen und dazwischen sind immer wieder die dicken Rohre der Bewässerungsleitungen zu sehen. Im Kibbuz „Ein Gev“ stand leckerer gegrillter Petrus-Fisch aus dem See Genezareth auf dem Speiseplan, der gleiche Fisch, der auch bei der wunderbaren Brotvermehrung eine Rolle spielte.
Liebst du mich?
Als nächstes steuerten wir Mensa Christi an bei Tabgha. Es ist der Ort, wo Jesus seinen Jünger Petrus dreimal fragte: „Liebst du mich?“ Anhand der Bibelstelle in Johannes 21,15 erläuterte Daniel Müller in einer bewegenden Andacht den Unterschied zwischen „filio“, der menschlichen, emotionalen Liebe, und „agape“, der göttlichen Liebe. Nur Gottes Liebe – so Pastor Daniel – ist keinen emotionalen Schwankungen ausgesetzt, nur durch sie hat Jesus den Tod am Kreuz ausgehalten und hilft auch uns durchzuhalten, wenn zu Lieben nicht einfach fällt. Nur mit ihr gelingt es, das Gebot „Liebe deine Feinde“ zu halten. Zum Schluss standen alle 192 Teilnehmer um den schweren Steinaltar im Garten der Franziskanerkirche, die an dieser Stelle erbaut worden war. Gott hat in den Herzen vieler gearbeitet. „Dies ist für mich nicht nur Sightseeing in Israel, sondern wirklich eine Pilgerreise“, fasste eine Teilnehmerin aus Augsburg ihre Erfahrungen am Spätnachmittag während der Fahrt zurück ins Hotel zusammen.
Montag, 14. Mai 2007
Pünktlich um 7.45 Uhr starteten wir heute direkt nach dem Frühstück ins nahe gelegene Tabgha am See Genezareth. Wir begannen den Morgen mit einer Andacht in der Brotvermehrungskirche, an dem Ort, wo Jesus mit zwei Fischen und Brot eine Menge von 5000 Mann speiste. In dieser Kirche ist vor dem Altar das bekannte, gut erhaltene Mosaik aus dem 5. Jahrhundert zu sehen, auf dem zwei Fische und Brot abgebildet sind. Es gab einen Vorgeschmack auf den Gesang von Engeln und Seraphinen als die Reisegruppe in der klassischen Basilika ein mehrstimmiges „Großer Gott wir loben dich“ und „Halleluja“ anstimmte.
Unser nächstes Ziel war Bethsaida, das ehemalige Fischerdorf, nur wenige Kilometer nördlich vom See Genezareth. Zu Jesus Zeiten reichte der See bis zur Anhöhe von Bethsaida. (Said bedeutet Fischfang und gab dem Dorf seinen Namen.) An diesem Ort hat Jesus den Blinden mit seinem Speichel geheilt (Markus 8,22-25). In seiner Predigt sprach Siegfried Müller darüber, dass Gott uns heute noch unsere geistlichen Augen öffnen will, damit wir „Jesus erkennen und die Kraft seiner Auferstehung.“ Er erzählte von seiner ersten Reise nach Israel vor mehr als 30 Jahren, wo er öfters die Stille aufsuchte und Jesus bat: „Ich brauche eine persönliche Begegnung mit dir.“ Das ist auch sein Wunsch für jeden einzelnen der 192 Reiseteilnehmer und besonders für die beiden Geburtstagkinder, denen wir vor der Weiterfahrt noch ein Geburtstagslied sangen.
Jetzt machten wir uns auf den Weg durch die fruchtbare Jordanebene Richtung Norden. Unser Ziel: Eine der drei Jordanquellen bei Banyas, ganz in der Nähe der biblischen Stadt Cäsarea Philippi. Der Name Banyas ist abgeleitet von dem heidnischen Gott Pan, dem Gott der Hirten und Wälder. Ihm zu Ehren wurde in dieser landschaftlich schönen Gegend direkt bei dem Felsen, wo das Wasser des Jordans entspringt, ein Tempel gebaut. Es ist sicher kein Zufall, dass genau in dieser Gegend Jesus seine Jünger befragte, für wen sie ihn denn halten. (Matthäus 16, 13ff) Und Petrus antwortete: „Du bist Christus, der von Gott verheißene Retter, der Sohn des lebendigen Gottes.“
Umgeben von üppiger Vegetation mit Feigen- und Eukalyptusbäumen, im Hintergrund das Gurgeln des klaren und kühlen Quellwassers, sprach Daniel Müller über diese Offenbarung von Petrus und hob hervor, dass Jesus unser Fels ist, den wir brauchen; unser Helfer und echter Halt in jeder Not im Gegensatz zu manchen New-Age-Praktiken, an die sich heute Menschen wie an die heidnischen Götter von damals klammern.
Während der Andacht kam eine Gruppe arabischer Schulkinder an uns vorbei, begleitet von zwei mit Gewehren ausgerüsteten Erwachsenen – das ist per Gesetz Pflicht im Staat Israel bei jedem Ausflug zum Schutz der Kinder. Einige klatschen fröhlich mit zum Rhythmus unserer christlichen Lieder. Ich bin sicher, ich war nicht die einzige, die betende und segnende Hände für diese Jugendlichen erhoben hat. Araber stellen im Staat Israel mit rund 1,2 Millionen Menschen die größte Minderheit.
Dann ging es zum Mittagessen in ein nahe gelegenes Fischrestaurant mit gegrillten Forellen als Spezialität. Durch die höhere Lage und das kühlere Wasser wurden in den letzten Jahren zahlreiche Forellenteiche angelegt.
Danach ging es weiter, entlang der Golanhöhen bis kurz vor der Grenze zu Syrien. Während der Fahrt gab uns der israelische Reiseleiter Itzak einen Einblick in die Geschichte dieser umkämpften Region. Noch heute zeugen eingezäunte Minenfelder, verrostete Militärfahrzeuge und zahlreiche Kriegsdenkmäler, mit denen der vielen toten Soldaten gedacht wird, von der traurigen Realität.
Andererseits ist aus dem Tal der Tränen auch ein Tal des Segens geworden: Durch das etwas kühlere Klima und reichlich Wasser – 30 Prozent von Israels Wasser kommt von den Golanhöhen – gedeihen hier alle Arten von Obstbäumen und von den neu angelegten Weinbergen wird Israels bester Wein hergestellt.
An einem Hügel, von dem wir in der Ferne die ersten syrischen Städte sehen konnten, machten wir Halt. An dieser Stelle auf der Straße nach Damaskus hatte sich vor etwa 2000 Jahren das Leben des späteren Apostel Paulus dramatisch verändert: Aus dem fanatischen Christenhasser Saulus, einem Intellektuellen, der das jüdische Gesetz wie kaum ein anderer kannte, wurde durch eine persönliche Begegnung mit Jesus ein Mann, der sich ganz für Jesus einsetzte und das Evangelium sogar nach Europa brachte.
Auf der Rückfahrt zum Hotel machten wir noch einen letzten Halt beim Berg der Seligpreisungen in der Nähe von Kapernaum, wo Jesus ganz ohne Mikrofon zu Tausenden von Menschen sprach. Die Natur hat es an diesem Ort so eingerichtet, dass der Wind die Worte wie in einem Amphitheater nach oben trägt. So wie wir den Tag begonnen hatten, ging er zu Ende. Nach einem letzten „Großer Gott wir loben dich“ vom Hügel in die Jordanebene Richtung See Genezareth gesungen, der Gegend wo Jesus gelebt und gewirkt hat, fuhren wir zurück zum Hotel.
Dienstag, 15. Mai 2007
Direkt nach dem Frühstück fuhren wir an diesem Morgen von Tiberias Richtung Westen in die Galiläischen Berge. Unser Ziel: Berg Tabor. Die letzten engen Serpentinen hinauf zur 585 m hoch gelegenen Bergspitze wurden wir von einheimischen Taxifahrern in Kleinbussen gebracht. Vor 2000 Jahren erlaubte Jesus nur Dreien seiner Jünger, mit ihm zu kommen. Es waren Petrus, Jakobus und Johannes, die gleichen wie in seiner letzten Nacht im Garten von Gethsemane. „Menschen, die eine besondere Beziehung zu Jesus haben, führt er nicht selten in die Einsamkeit, um sie für besondere Aufgaben vorzubereiten“, sagte Siegfried Müller bei strahlendem Himmel während der Morgenandacht inmitten antiker Kirchenruinen aus dem 12. Jahrhundert.
Gegen zehn Uhr begab sich die Reisegruppe in die angrenzende Verklärungskirche. Wir hatten die Gelegenheit, bei einem ganz besonderen Ereignis dabei zu sein: Gott hatte einem jungen Ehepaar aus dem Schwarzwald nach ihrer standesamtlichen Trauung im Februar ans Herz gelegt, ihr Jawort noch einmal in dieser wunderschönen Basilika zu zelebrieren. Nach dem Ringtausch hörten wir den „Messias“ von Händel mit einer Aufnahme der Orgel aus der Christus-Kathedrale in Karlsruhe.
Nach dem Mittagessen im Kibbuz Mizrah fuhren wir weiter gen Westen durch die fruchtbare Izrael- bzw. Jesreel-Ebene von links und rechts begrenzt von den unteren und oberen Galiläischen Bergen. Izrael bedeutet im Hebräischen „Gott sät“. Vor unseren Augen sahen wir, dass die Saat Gottes im Überfluss aufgegangen ist: Gemüse- und Obstplantagen wechselten sich ab mit Getreidefeldern, die schon zum Teil geschnitten waren. Sogar Baumwolle gedeiht auf dem dunklen Humusboden. „Staubig, schmutzig, alte Steine und kahle Berge, so habe ich mir Israel vorgestellt durch die Berichterstattung bei uns im Fernsehen. Nie wird es als das blühende Land vorgestellt, das ich jetzt kennengelernt habe – wunderschön grün, gepflegt, tropisch bunt und so fruchtbar. Ich bin fasziniert vom ganzen Land“, begeisterte sich eine Teilnehmerin aus Aschersleben bei der Fahrt durch das Landesinnere. Die Jubiläumsreise ist ihr erster Besuch in Israel.
Schon erstreckte sich vor unseren Augen die 35 km lange Kette des Karmelgebirges am Westrand von Israel. In der Nähe des Mittelmeerhafens Haifa – sie ist mit 250 000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Israels – schlängelten sich unsere vier Busse den „Berg Gottes“ hinauf. Etwa zehn Kilometer von der Stelle entfernt, wo der Prophet Elias den Himmel offen sah und sich Gott in Form eines verzehrenden Feuers offenbarte, besuchten wir eine messianisch-jüdische Gemeinde. Ihr Leiter David Davis und seine Frau Karen aus den USA haben dort ein Gemeindezentrum errichtet. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem ein Drogenrehabilitationszentrum, ein Frauenhaus, sowie eine Schule, ein Kindergarten und ein Auffanglager für Flüchtlinge aus dem Sudan. Menschen unterschiedlichster Herkunft – sowohl geografisch als auch religiös – finden dort eine christliche Heimat. Neben einem deutschen und asiatischen haben sie sogar einen arabischen christlichen Pastor in ihrem Team. Das Missionswerk Karlsruhe unterstützt ihren wichtigen Dienst seit einigen Jahren. Ein sichtbares Zeichen der Unterstützung waren die beiden vor der Kirche geparkten Kleinbusse und dankend nahm das Team einen Scheck entgegen.
Auf unserer Rückfahrt machten wir noch einen Stopp bei der einzigen jüdischen Ölpresse in den unteren galiläischen Bergen. Alle anderen Konkurrenzunternehmen sind in dieser Gegend, die für ihre Oliven bekannt ist, in arabischer Hand. Der Inhaber klärte uns über die medizinischen Vorzüge des koscheren Öls auf und Siegfried Müller ermutigte uns, die Bibelstelle (Jakobus 5,13-15) ernst zunehmen, die besagt, bei Krankheit die Ältesten zu bitten, den Kranken mit Öl zu salben.
Mittwoch, 16. Mai 2007
Pünktlich um 7.45 Uhr fuhren wir mit den Bussen los. Unser erstes Ziel: das inzwischen arabische Dorf Kana, wo Jesus sein erstes Wunder gewirkt hat, in dem er auf einer Hochzeit vor 2000 Jahren sechs Tonkrüge gefüllt mit Wasser in insgesamt 600 Liter sehr guten Wein verwandelte. Daniel Müller las die entsprechende Bibelstelle (Johannes 2,1-11) vor und erinnerte daran, dass Jesus sich weder damals von seiner Mutter noch heute von uns befehlen lässt, wie er Bitten erhört. „Er bestimmt den Zeitpunkt, er kommt manchmal spät, aber nie zu spät“, gab er der Reisegruppe an diesem Morgen mit auf den Weg. Mit einigen Liedern verabschiedeten wir uns. Unsere 200 Mann und Frau starke Reisegruppe hatte die ganze Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt – eine bunt zusammengewürfelte, mobile Gemeinde auf Zeit mit stattlichen 192 Mitgliedern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Wir fuhren weiter durch die fruchtbare Jesreelebene Richtung Nazareth. Wieder sahen wir riesige automatische Gießanlagen, die Felder mit Sonnenblumen, Wassermelonen, Getreide und Kartoffeln bewässerten. Dazwischen immer wieder sattgrüne Palmenhaine und andere Obstplantagen. Zu Jesu Zeiten lebten in dem Dorf Nazareth etwa 600 Menschen, heute ist es eine Stadt mit einer Bevölkerung von knapp 80 000 Leuten, davon sind etwa 45 Prozent christlich und 55 Prozent arabische Muslime. Nach einem Rundgang durch die monumentale Verkündigungskirche fuhren wir ins nahe gelegene Nain. Viele waren bewegt von der großen Ausstrahlung des Ortes, wo Jesus (Lukas 7,11-15) einen verstorbenen Jungen, der einzige Sohn einer Witwe, wieder zum Leben erweckte. Auch hier war Jesus wieder genau zur rechten Zeit gekommen, wenig später wäre der Junge schon begraben gewesen. „Jesus kommt nie zu spät. Auch nicht in deinem Leben“, ermutigte Siegfried Müller und segnete zusammen mit seinem Sohn Daniel jeden einzelnen Pilger.
Als Letztes stand an diesem Tag die Harod-Quelle am Fuße des Berges Gilboa auf dem Programm. Die Bibel gibt eine geografisch sehr genaue Beschreibung dieses landschaftlich schönen Ortes. Hier standen sich der Übermacht von 135000 Midianitern und Amalekitern nur 300 Soldaten des israelitischen Heeres gegenüber. Gideon hatte aus seiner zunächst 32000 Soldaten starken Truppe auf Gottes Geheiß die Besten ausgewählt. Er bat seine Männer aus der Quelle zu trinken. Die, die das Wasser mit der Hand schöpften, sortierte er aus und nahm nur diejenigen mit in den Kampf, die die Waffen keinen Moment aus der Hand legten und tranken wie die Tiere (Richter 7,1ff). Es war Gott wichtig, dass seine Macht und Herrlichkeit offenbart wurde und die Israeliten nicht mit eigener Kraft prahlen konnten. Während die Reiseteilnehmer Siegfried Müllers Ausführungen zuhörten, kühlten viele Teilnehmer ihre Füße in dem erfrischend kalten Quellwasser. Dann machten wir uns auf die Rückfahrt zum Hotel in Tiberias. Auch an diesem 9. Tag unserer Israelreise hat Gott – wie bisher an allen vorherigen Tagen – jeden Einzelnen in der Reisegruppe bewahrt, auch mit dem Wetter wurden wir mehr als verwöhnt. Selbst heute an der Gideonquelle waren die Temperaturen nicht so heiß wie sonst im Mai. Im Hotel angekommen stand der Nachmittag heute zum ersten Mal zur freien Verfügung – Zeit für die hoteleigenen Sportanlagen oder einen Einkaufsbummel in der quirligen Stadt Tiberias.
Donnerstag, 17. Mai 2007
Heute am Himmelfahrtstag – dem neunten und vorletzten Tag unserer Israelreise – trafen wir uns ein letztes Mal zur morgendlichen Andacht. Siegfried Müller rief die Teilnehmer dazu auf, Zeugnisse darüber zu geben, was sie während dieser zehn Tage in Israel Besonderes mit Gott erlebt hatten. Knapp zwanzig Menschen trauten sich, nach vorne zu kommen und von kleinen und großen Wundern zu erzählen. Darunter auch viele körperliche Heilungen: Gott heilte schmerzende Rücken und Bandscheiben, einen Lendenwirbel, ein rechtes Knie und die Hüfte, Schmerzen in Fingergelenken und Migräne.
Um 11 Uhr fuhren wir dann zu einem Ort, der für viele zum absoluten Höhepunkt der Reise werden sollte: 39 Täuflinge hatten entschieden, sich im Jordan taufen zu lassen. An der offiziellen Taufstelle am Jordan angekommen (nahe beim Ausgang des Jordanflusses aus dem See Genezareth), bereiteten sie sich auf die Taufe vor: In ihren weißen Taufkleidern sahen sie aus wie Engel ohne Flügel – darunter ein 21-jähriger junger Mann, Ehepaare mittleren Alters und darüber. Neben der übrigen Reisegruppe hatten die Neugetauften auch Zuschauer aus aller Welt – von einer Katholikin aus Indien, die übrigens später selbst getauft wurde, bis hin zu Menschen moslemischen Glaubens und orthodoxe Juden. „Das ist unbeschreiblich!“, „Ich bin glücklich.“ „Ich fühle mich tatsächlich wiedergeboren und erlebe einen tiefen Frieden wie noch nie zuvor.“ So lauteten die Kommentare nach ihrer Wassertaufe im Fluss Jordan. „Jesus hat mein Leben berührt und ihm eine neue Richtung gegeben. Ich war einfach nur glücklich“, sagte Manfred L. (45) bewegt. „Es war etwas Besonderes, an dem Tag im Jordan getauft zu werden, an dem Jesus gen Himmel fuhr“, sagte eine frisch getaufte 52-jährige Frau aus Augsburg.
Einer der Taufsprüche lautete: „Gott kann überschwänglich tun über alles, war wir bitten oder verstehen.“ Ich denke, dieser Bibelvers fasst treffend zusammen, was wir auf unserem Weg mit Gott erfahren und auch in den letzten zehn Tagen in Israel erleben durften. Der Rest des Nachmittags stand noch zu unserer freien Verfügung. Wir beendeten den Tag mit einem feierlichen Abschiedsessen, bei dem Siegfried Müller von vielen Freunden und Geschäftspartnern geehrt wurde für sein unermüdliches, dreißigjähriges Engagement in Israel. Besonderer Dank auch an die israelische Tourismus-Agentur „Amiel Tours“, dem Spezialisten für Israelreisen, die mit dem Missionswerk Karlsruhe und der Familie Müller in den letzten 30 Jahren nicht nur zusammen gearbeitet haben, sondern auch gute Freunde geworden sind. „Gute Freunde erkennst du in schlechten Zeiten, und Siegfried Müller kam ohne Unterbrechung jedes Jahr, selbst dann, als die ganze Tourismusindustrie zusammenbrach“, sagte Chefreiseleiter Danny, der mit seiner fachkundigen Crew viel dazu beigetragen hat, uns Land und Leute in Israel näher zu bringen. Ich bin Gott sehr dankbar für diese Reise in das Heilige Land, wo Jesus lebte und wirkte, und auch heute noch überall gegenwärtig ist. Halleluja und Shalom... bis zum nächsten Jahr in Israel.
Autor: Lucia Ewald


